Vom Verstehen zum Handeln und was es dazu von Kindheit an braucht

Modell zur Gewaltprävention: Zuhören, Nachdenken, Handeln. Mehr Informationen hier!

Ob Bewegung, Ernährung, seelisches Wohlbefinden oder ein bewusster Umgang mit Ressourcen – viele Gewohnheiten werden bereits in der Kindheit geprägt und begleiten Menschen oft ein Leben lang. Wie eine frühzeitige und nachhaltige Gesundheitsförderung im Kita-Alltag erfolgreich gelingt, zeigt die Kita „Spatzennest“ in Langenwolschendorf. Mehr lesen!

Das Bild steht in keinem Zusammenhang mit der betreffenden Kindertagesstätte.

Harald Haarmann und Monika Matscheko

 

Ist die Vertrautheit mit gewaltfreiem Zusammenleben eine Selbstverständlichkeit?

Nein, leider nicht.

In welchem Alter wird sich ein Mensch dessen bewusst, wie wertvoll und wichtig sozialverträgliches Denken und Handeln sind?

Vielleicht in der Schule? Das ist zu spät. Heutzutage zeigt sich, dass sich im Verhalten der Schüler die Spannungen in unserer Gesellschaft widerspiegeln. Rivalitäten, Mobbing und Macho-Gehabe vergiften die Atmosphäre auf dem Schulhof und im Klassenzimmer.

Vielleicht im Erwachsenenalter? Das wäre ziemlich spät, aber immer noch möglich.

Es ist sinnvoll, das Bewusstsein für den Wert ausgewogener, aggressionsfreier Sozialkontakte früh zu entwickeln, nach Möglichkeit schon in Familie und Vorschule.

Was heißt nach Möglichkeit?

Wenn man sich die Realität gesellschaftlicher Verhältnisse im Alltagsleben vergegenwärtigt, merkt man, dass ein konfliktfreies Familienleben keine Selbstverständlichkeit, in vielen Wohnvierteln eher die Ausnahme darstellt. Überdies erschweren weltpolitische Krisen, steigende Lebenskosten und dadurch bedingte Orientierungslosigkeit und Unsicherheit im privaten wie auch im beruflichen Leben ein friedvolles Miteinander.

 

Es wird klar, dass Kompetenzen für gewaltfreien Umgang miteinander möglichst früh eingeübt und ausgebildet werden sollten, ganz im Sinn des Zitats “Früh übt sich, was ein Meister werden will” (“Wilhelm Tell”, Friedrich Schiller, 3. Akt, 1. Szene). Jeder Vergleich hinkt allerdings. Bei Wilhelm Tell geht es um das Schießen-Lernen, das natürlich nicht zum Repertoire friedvollen Miteinanders gehört. Doch die Grundaussage trifft sicher zu, dass es nämlich bereits im Kleinkindalter darauf ankommt, sich in sozialer Friedfertigkeit zu üben.

 

Die Verantwortung liegt dabei nicht erst bei den Lehrern, sondern bereits in der Familie, d.h. bei den Eltern bzw. denjenigen, die Verantwortung für die Erziehung der Kinder tragen. Diese leisten im Idealfall die Vorarbeit, die mit den Zielen in der Krippe und im Kindergarten kompatibel sein sollten. Die Schulerziehung kann dann auf diesen erworbenen elementaren Fähigkeiten aufbauen.

 

Viele Menschen, vor allem diejenigen, die im Erziehungs- und Bildungswesen tätig sind, sind sich der Bedeutung von persönlichkeitsstärkender und gemeinschaftsbildender Erziehungsziele seit langem bewusst, doch es zeichnet sich in diese Richtung noch kein flächendeckender Trend ab. Es gibt vielversprechende Ansätze im Bereich der Elementarerziehung und Grundschule, die mit ihren gewaltpräventiven Programmen die Basis für die vorher genannten Ziele schaffen.

 

Beispiele für bereits evaluierte Programme sind:

·   Faustlos für Kindergarten und Grundschule

·   Anti-Mobbing-Programm nach Olweus auf Schul-, Klassen- und Individualebene
Olweus, Dan (1995): Gewalt in der Schule. Was Lehrer und Eltern wissen sollten – und tun können. 2. Auflage 1996. Bern: Hans-Huber-Verlag.

·   Das Friedensstifter-Training für alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse
Gasteiger-Klicpera, Barbara / Klein, Gudrun (2006): Das Friedensstifter-Training. Grundschulprogramm zur Gewaltprävention. Münschen: Ernst Reinhardt Verlag.

·   Das WiSK-Programm mit Maßnahmen auf Schulebene, Klassenebene und Individualebene
Strohmeier, Dagmar / Atria, Moira (in Druck 2009): WiSK-Programm. Förderung von sozialer und interkultureller Kompetenz in der Schule. Münster: Waxmann Verlag

Weitere effektive Initiativen sind:

·   Die Peer-Mediation (Streitschlichterprogramm oder Konfliktlotsenmodell)

·   Buddy-Projekte: Faller, Kurt / Kneip, Winfried (2007): Das Buddy-Prinzip – Soziales Lernen mit System. Düsseldorf: Buddy e.V.

·   PFAD (Programm zur Förderung Alternativer Denkstrategien)

 

Interessierte finden zusätzliche Informationen in:
file:///C:/Users/Admin/Downloads/gewaltpraevention-3.pdf